TEXTE ÜBER CASPAR DIETHELM

Linus David | Werkstattgespräch

Werden Kunstpreisträger zu lebenden Denkmälern ihrer selbst? Der Komponist und Musikpädagoge Caspar Diethelm gewiss nicht. Dafür ist er viel zu vital. Von angepasstem Wohlverhalten oder Schönreden ist auch nach der öffentlichen Ehrung nichts zu spüren. „Diethelm steht wie eine knorrige Eiche in der Gegend“, schrieb ein Zürcher Musikkritiker einmal, und der solcherart Gekennzeichnete hat einen Mordsspass daran. Bevor er am kommenden Sonntag zur Übergabe des Kunstpreises 1985 der Stadt Luzern antritt, haben wir ihn besucht.

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Rita Wolfensberger | Portrait des Komponisten

Eine stattliche, hochgewachsene Gestalt, grosse, ausdrucksvolle blaue Augen, ein stürmisches Temperament, das die Besucherin schon unter der Haustür mit elementarer Wucht überfällt, ein zunächst finsterer Gesichtsausdruck, der einigen Mut herausfordert, in die Privatsphäre dieser Persönlichkeit einzudringen, die darob ganz offensichtlich fürs erste nicht begeistert ist: Mannigfaltig und widersprüchlich sind die Eindrücke, die bei dieser ersten Begegnung mit Caspar Diethelm entstehen. Von Natur bin ich etwas schüchtern. Bei Caspar Diethelm erkannte ich schon nach fünf Sekunden: Hier gibts nur eine Alternative - entweder stürze ich mich initiativ ins Gespräch und rette mir mit einigen Fragen und Kommentaren ein Minimum an Dialog, oder ich werde von Diethelm glatt überfahren. Ich hatte nicht einmal Zeit, meinen Notizblock richtig hervorzukramen, als mein Gastgeber schon zu sprudeln begann...

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Daniel Hess | Der Lehrer

Zum erstenmal sah ich Caspar Diethelm an einem Mittwochabend bei einer Musikgeschichtslektion im Konservatorium Luzern. Ich wurde von anderen Studenten schon gewarnt: er sei streng, erzähle nicht nur Musikgeschichte, sondern oft auch über Instrumentation, Formgliederungen, Harmonielehre, über Kompositionstechniken; und das alles durcheinander... man müsse immer konzentriert sein, er könne wütend werden, wenn man nicht aufpasse!
Ich war daher sehr nervös, als wir ihm dann gegenübersassen. Gleich zu Beginn lässt er kommentarlos ein Orchesterstück abspielen. Dann schaute er in die Klasse, und wir alle ganz konzentriert in die Bücher... Und dann blickte er ausgerechnet zu mir und fragte: „Was hören Sie?“ Ich hatte keine Ahnung von wem das Stück war, ich wusste nicht, was ich sagen sollte und noch während ich überlegte, sagte eine Stimme in mir: „es tönt wie ein Sonnenaufgang“. - Totenstille. Habe ich einen Blödsinn gesagt? Dann lachte er: „Das ist das erste Mal, dass das jemand herausgehört hat! Es ist die Symphonie Le Matin von J. Haydn!“

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Angelo Garovi | Der "andere" Diethelm

1996 feiert der Komponist Caspar Diethelm seinen 70. Geburtstag. Er wurde am 31. März 1926 in Luzern geboren. Am 31. März - im Zeichen des Widders - wurde übrigens fast 200 Jahre früher (1732) Joseph Haydn geboren (auf dieses Zusammentreffen ist Caspar Diethelm auch stolz!). Zu diesem Anlass widmen ihm Lehrerkollegen des Konservatoriums, seine Schüler(innen) und Freunde eine Festschrift: Musiker schreiben über den Komponisten Caspar Diethelm und seine Musik. Gestatten sie mir deshalb, auch den „anderen“ Caspar Diethelm kurz vorzustellen.

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