Musikalische Verortung
(Diesen Text hat Caspar Diethelm wahrscheinlich Ende der 70iger Jahre aus unbekanntem Anlass entworfen.)
Caspar Diethelm versucht in seinen Werken eine ihm gemässe Aussage zu finden, ohne sich einer
bestimmten Schule oder Stilrichtung zu verpflichten. Auf der einen Seite steht eine starke
Verwurzelung in der Tradition, in der Landschaft seines Kantons, in dem er seit Geburt lebt und
wirkt, und in der Betonung einer schweizerischen Eigenart. Auf der anderen Seite steht die
Beschäftigung mit allen Stilrichtungen von der Dodekaphonik bis zur Avantgarde seit Webern.
Soweit sie dem Komponisten als Bereicherung seiner Aussagemöglichkeiten gelten können, finden
sich Einflüsse all dieser Bereiche mehr oder weniger deutlich. Dagegen wird die "Atonalität", was
immer dies in concreto bedeuten mag, vermieden, sondern die Gliederung und Formung der Musik
erfolgt nach Gravitationszentren, d.h. nach den Tonalitätsebenen im Sinne Hindemiths.
Neben einer selbständigen Harmonik, die neben äusserst komplexen Klängen auch das Einfache
nicht vermeidet und einer eigenwilligen und gelegentlich aggressiven Rhythmik mit einer Vorliebe
für zusammengesetzte Taktarten, gilt die besondere Hingabe des Komponisten aber dem Element
der Melodik und zwar in immer stärker werdendem Masse. Schon in den frühesten Werken sind
Anklänge an Elemente der Volksmusik nicht zu überhören, wobei es aber nie zu Zitaten kommt,
sondern lediglich zu Bildungen, welche gewissermassen ein schweizerisches oder gar
urschweizerisches Klangbild evozieren sollen.
Vorbilder des Komponisten sind, ausser den grossen Meistern der Vergangenheit, Paul Hindemith
und Bela Bartòk, sowie die Schweizer Arthur Honegger, Othmar Schoeck und Frank Martin.